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Könnte ich bitte noch etwas Bass in meiner Suppe haben?

Wie oft hast du darüber nachgedacht, mit welcher Musik du würzt? Okay, jetzt ist es an der Zeit, denn Untersuchungen haben gezeigt, dass Sound und Musik einen großen Beitrag zu unserem Geschmacksempfinden leisten – weil wir mit allen Sinnen genießen.

Schließe also deine Augen und stell dir vor, du nimmst ein Stück Schokolade in den Mund. Du lässt es langsam auf der Zunge zergehen und achtest auf den Geschmack. Es schmeckt nach Schokolade, ziemlich süß, oder etwas bitter? Vielleicht schmeckst du einen Hauch Orange?

Was du auch schmeckst, deinem Geschmackssinn kannst du vertrauen. Denn das gleiche Stück Schokolade wird morgen wieder genau so schmecken. – Falsch!

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Sound als Gewürz

Es ist bekannt, dass der Geruchs- und der Sehsinn einen Einfluss auf unser Geschmacksempfinden haben. Die Forschung der letzten Jahre hat darüber hinaus nachgewiesen, dass auch der Hörsinn ein starker Faktor sein kann. Einer der führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet ist Professor Barry C. Smith vom Institut für Philosophie an der Universität London. Für Smith ist Klang ein Sonic Spice, frei übersetzt, Sound ist ein Gewürz. Denn Professor Smith hat folgende Beobachtungen angestellt:

„Wir haben einer Testgruppe eine Tomaten-Orangensuppe serviert, und dazu Benjamin Brittens ‚Four Sea Interludes: Dawn‘ gespielt, ein Werk, in dem helle Töne vorherrschen. Die Suppe schmeckte für die Mehrheit der Testpersonen nach Orange. Dann haben wir die gleichen Personen gebeten, genau dieselbe Suppe zu den Klängen von ‚Four Sea Interludes: Sunday Morning‘ zu kosten, in dem wesentlich dunklere und tiefere Töne herrschen – und nun dominierte für die Testpersonen der Tomaten-Geschmack.“

In Zukunft könnten wir sagen: Wenn Ihnen der Wein nicht mundet, dann sollten Sie die Musik ändern!Barry C Smith

Bass ist ein bitterer Begleiter

Das beobachtete Phänomen wird Neurogastronomie bezeichnet. Man versteht darunter, dass alle Sinne zusammen interaktiv ein Geschmackserlebnis schaffen. Das überraschendste Detail dieser relativ neuen Forschung ist, dass der Hörsinn wesentlich zum Geschmackserlebnis beiträgt. Daraus folgt, dass man mit Musik als Klanggewürz sein Essen aufpeppen kann, erklärt Barry C. Smith und berichtet von einem weiteren Beispiel aus seiner Forschung:

„Geben Sie den Leuten ein Stück dunkle Lindt 70% Schokolade. Hört man dazu Musik mit tiefem Bass, dann schmeckt dieses Stück Schokolade ziemlich bitter. Dieselbe Schokolade wird dagegen als wesentlich süßer empfunden, wenn sie zu dem Klang von leichtem Klavierspiel verkostet wird.
Wir können die Wahrnehmung des Menschen auch bei einem Glas Sauvignon Blanc beeinflussen. Spielen wir Nils Oklands Horizont, das mit einer hohen Violine beginnt, dazu, wird der Geschmack des Weines strenger, säuerlicher. Wählen wir dagegen das sanfte Gitarren-Intro von Little Kids der Kings of Convenience als musikalische Begleitung, so wird der Wein als süßer empfunden.

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Das Tomatensaft im Flugzeug Geheimnis

Je mehr man darüber nachdenkt, umso weniger ist man überrascht, dass der Hörsinn auf das Geschmacksempfinden so viel Einfluss hat. Denke zum Beispiel an eine kalte Dose Cola – sie wird geöffnet, pfffft, und dann über Eiswürfel gegossen, Tuuch, Tuuch, Tuch. Du weißt bereits jetzt, wie es schmeckt, und zwar bevor du getrunken hast. Die gleiche Vorabempfindung hast du bei einer knusprigen Schweinelende oder dem Biss in einen saftigen Apfel.

Neu ist allerdings die Erkenntnis, dass du das Geschmackserlebnis von Speisen in die eine oder andere Richtung manipulieren kannst – nämlich mit der Musik, die du deinen Gäste während des Essens servierst.

Die Forschung ist zu dem Schluss gekommen, dass hochfrequente Töne den süßen Geschmack intensivieren, während niederfrequente Töne das Geschmacksempfinden bitterer machen. Es stellte sich außerdem heraus, dass sehr hohe Töne unsere Geschmacksfähigkeit reduzieren – und deshalb trinken die Leute im Flugzeug Tomatensaft – weil der so voller Geschmack ist (was am Boden als zu intensiv empfunden wird). Es gibt also einen Geschmack, der das Dröhnen der Flugzeugtriebwerke überwältigen kann.

Können wir uns also in Zukunft darauf freuen, dass Speisen und Wein sinnvoll mit Musik kombiniert werden? Professor Barry C. Smith hat einen Rat:

„Zunächst werden wir jetzt eine größere Anzahl von Menschen testen und prüfen, welche ausgewählten Musikstücke am besten zu einem Essen oder einem Wein passen, denn oft sind die Vorlieben der Menschen ziemlich konsistent. In naher Zukunft stelle ich mir in der Weinhandlung einen QR-Code auf der Flasche vor, den Sie mit Ihrem Handy einscannen, um die Musik hören zu können, die perfekt zu diesem Wein passt.“, sagt er und schaut für uns noch tiefer in die Kristallkugel:

„In Zukunft könnten wir sagen: Wenn Ihnen der Wein nicht mundet, dann sollten Sie die Musik ändern!“

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