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HiFi Scenen Talks – The National

„Wir schreiben gerne Musik für Kopfhörer“

Am 8. September erschien das siebte Album der Band: Sleep Well Beast. Hi-Fi Klubben arrangierte zwei Wochen vor dem Erscheinungstermin ein Gespräch mit dem Gitarristen, Songwriter und Produzenten Aaron Dessner in der Kopenhagener Oper.

Von Søren Vestergaard Thiesen, Heartbeats

„Auf Sleep Well Beast wollten wir die Art ändern, wie The National klingt. Egal, welcher Künstlertyp man ist, ich glaube, dass man immer danach strebt, voranzuschreiten und sich nicht zu wiederholen.“

Das sagte der Gitarrist, Songwriter und Producer Aaron Dessner von The National, als er zu Besuch auf Hi-Fi Scenen im „Takkelloftet“ im Foyer der Kopenhagener Oper war.

Und The National klang an dem Augusttag auch besonders spannend, als das gesamte Album vor ausgewähltem Publikum auf einem Steinway Lyngdorf-System der absoluten Weltklasse zu Besten gegeben wurde. Eine passende Wahl für die Vorpremiere von Sleep Well Beast.

Eingespielt wurde das Album in ihrem nagelneuen Studio, in dem Nadelholz der amerikanischen Band Wärme und Inspiration schenkt.

„In Hudson fanden und kauften wir ein 250 Jahre altes Bauernhaus mit zugehöriger Scheune, die wir abrissen, um aus den alten Baumaterialien unser neues Studio zu bauen. Zunächst mussten wir auch überlegen: Wie sollte das The National-Studio wohl klingen und aussehen? Wenn du hineinkommst, ähnelt es einer Kirche mit einer hohen, nach oben spitz zulaufenden Raumdecke, aber alles aus Nadelholz. Ein offener Raum. Es gibt keinen Regieraum, damit man an jedem Platz im Gebäude Musik spielen kann“, erzählt Aaron Dessner und fährt fort:

„Man kann eine Nadel zu Boden fallen hören.“

 

Das Studio war mit ATC 45-Studiomonitoren eingerichtet, welche die Band nach eigenen Aussagen völlig zu Klump gespielt hat. Aber sie haben auch Sonos verwendet. Und sie setzen jetzt darauf, dass man den möglichst besten Sound genießen kann, wenn man die Musik im Auto oder nur über Kopfhörer hört.

„Lange Zeit waren wir wie besessen von Kopfhörern. Wir wollten Musik schaffen, die man hören kann, wenn man besoffen im Bett liegt und Kopfhörer auf hat. Du weißt, man kann jedes Detail hören, wird aber auch wie von einem Nebel aufgesogen.“

Eines der Geheimnisse ist dem Gitarristen, Songwriter und Producer zufolge ein nicht zu lautes Mastern. Im Gegensatz zu so vielen anderen.

„Wenn du dir die Waveform der meisten modernen Einspielungen anschaust, gleicht sie nur einem großen Viereck.“

Früher hat The National mit vernebelten Musikspuren gearbeitet. Dadurch war es nicht immer möglich, einen Klang einem bestimmten Instrument zuzuordnen. Der Grund dafür war, dass einige Alben in improvisierten Studios bei Freunden und auf dem Dachboden der Familie aufgenommen wurden.

Das war zugleich von Vor- und Nachteil. Dieses Mal jedoch wollte die Band die Spuren und Nebel aufräumen. Die Details sind sehr viel klarer geworden, auch wenn neue Arbeitsmethoden hinzugekommen sind.

„Mein Bruder, Bryce Dessner (Gitarrist, die Red.), durfte sich mehr den Kompositionen widmen. Dafür spielt er auf Sleep Well Beast nicht so viel Gitarre wie auf früheren Alben. Er ist jedoch ein klassischer Komponist, weshalb wir besonders diesen Teil seiner Fähigkeiten genutzt haben. Er durfte auch mehr experimentieren“, erklärt Aaron.

Zum Experiment gehörte auch, dass Bryce Dessners Faszination für das Sequencing und Software stärker in den Vordergrund trat. Bryce schrieb die Gitarren-, Schlagzeug- und Klavierstücke auf ein Notenblatt, das er mit verschiedener Computersoftware manipulieren konnte.

An mehreren Stellen des Albums kannst du die Ergebnisse hören, z. B. im Song „Empire Line“.

Die am stärksten durch Experimente beeinflusste Nummer heißt „Walk it Back“. Das Album wurde ursprünglich 2014 in Brooklyn eingespielt. Vergangenes Jahr hatten die Bryce-Brüder jedoch zusammen mit etwa 100 anderen Künstlern die Gelegenheit, im Rahmen eines Workshops im Funkhaus Berlin, der in den 1950er Jahren errichteten ostdeutschen Antwort auf die BBC, einige Titel neu einzuspielen.

„Das ist ein richtiges kleines Dorf voller Kinos und Aufnahmegeräten aus den 1950er Jahren, wie z. B. alten Röhrenmikrofonen. Wir richteten ein offenes Studio ein, in das wir sämtliche 100 Kollegen einluden, sich ein Instrument zu greifen, den Titel ohne Vocals anzuhören und einfach etwas zu spielen, das ihnen passend erschien. Wir haben ihnen keine Akkorde vorgegeben. Daher kannst du auf „Walk it Back“ viele Klänge hören, die mit dem Song eigentlich nicht zu tun haben.“

Aaron Dessner vertraute seinem Publikum an, dass die neue Platte kaum Riesenhits, wie „Bloodbuzz Ohio“ oder „Fake Empire“, enthält. Dafür bekommst du ein Album mit einer Vorliebe für Details und garantiert einem Stück sinnlicher, musikalischer Offenbarung.

„Wir haben gelernt, dass wir keine Musik schreiben sollen, die uns nicht inspiriert. Wir werfen auch etwas weg, wenn es uns zu eingängig oder wie ein Hit klingt. Mainstream-Musik ist ein Produkt, keine Kunst. Wir liefern aber keine Produkte.“

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