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HiFi Scenen Talks – Mew

Der Sound von damals, als die Welt eine bessere war

Vor 20 Jahren veröffentlichte die dänische Rockband Mew das Album „A Triumph for Man“. Eine imponierende Debutplatte, die sie auf eine abenteuerliche Reise durch weite Teile der Welt geführt hat. Sie zogen nach London, spielten auf einigen Veranstaltungen und arbeiteten nicht zuletzt mit der Crème de la Crème der Producer und Musiker zusammen. 2017 wurde aus der Band nach dem Weggang des Gitarristen Bo Rune Madsen ein Trio. Jetzt erscheint ihr 8. Album „Visuals“, das nach eigenen Vorstellungen entstanden ist – und den Sound von damals, als die Welt eine bessere war, aufgreift.

Auf die erste Strophe und die Melodie kamen Mew, als sie ihre Tournee mit der letzten Platte „+/-“ beendeten. „Die neuen Songs entstanden, indem Jonas (Bjerre, Sänger – die Red.) Skizzen anfertigte. Das kann er richtig gut,“ erzählt Bassist Johan Wohlert und fügt hinzu: „Ich habe sie aufgenommen, an ihnen gefeilt, und mittels Copy/Paste haben wir gemeinsam die neuen Melodien geschaffen. ‚Visuals‘ ist eine Mischung aus früheren Ideen und völlig neuen Puzzlestücken. So haben wir immer gearbeitet, im Gegensatz zu einigen Künstlern, die bei jeder neuen Platte ganz von vorne anfangen, ohne alte Akkorde oder Ideen zu verwenden.“

Männer am Werk

Gleichzeitig aber haben Mew sich entschieden, auf „Visuals“ neue Wege zu beschreiten, wodurch sich der Prozess stark von früheren Alben unterscheidet. Zunächst versuchten sie, einige Songs ohne Producer fertigzustellen – etwas, das sie noch nie probiert hatten – und nicht bereut haben. Dazu Johan: „Als wir überlegten, das Album selbst zu produzieren, bekamen wir feuchte Hände – aber wir entschlossen uns, es zu probieren, da es auch finanziell betrachtet der richtige Weg war, um die Kosten niedrig zu halten. Das Einspielen der Platte lief sehr geschmeidig ab, denn Entscheidungen mussten wir nur zu dritt treffen. Aber wir mussten auch alles selber machen, denn wir hatten ja keinen Producer, mit dem wir uns gegenseitig die Bälle zuspielen konnten. Wir mussten also selbst entscheiden, ob eine Idee gut genug war. Wenn einer von uns sich nicht sicher war, haben die anderen denjenigen bestärkt. Im Grunde hatten wir großes Vertrauen darin gewonnen, dass, wenn eine Idee gut klingt, dass sie das auch ist – und dann lasst sie uns umsetzen.”

Eine andere Entscheidung bei ‚Visuals‘ war, die Songs kürzer und direkter zu machen, als bei vielen der alten epischen Nummern, die ja zum Markenzeichen von Mew geworden sind.
„Wir werden niemals eine Popband,“ sagt Johan Wohlert und ergänzt: „Aber wir hatten Lust, gegenüber ‚+/-‘ etwas Neues auszuprobieren. Die Songs auf ‚Visuals‘ sind wesentlich präziser, etwas mehr ‚Quirky Pop‘ und vielleicht eher unsere ,Prefab Sprout‘ oder ,Talk Talk‘-Platte, weniger Pink-Floyd-Universum. Wir haben versucht, die Songs mehr am Genick zu packen – und das ist recht gut gelungen.“

Der Sound von damals, als die Welt eine bessere war

Die Songs wurden in mehreren kleinen Studios in Kopenhagen und zu Hause bei den drei Mitgliedern von Mew eingespielt. Eine sehr fragmentarische Form des Einspielens, die aber zugleich viel Freiheit bot. Johan ist sehr überrascht, dass das Album so großartig und gut klingt, schreibt das aber den von ihnen gewählten Aufnahmeorten und den heutigen technischen und mobilen Möglichkeiten zu.
Die Platte klingt, wie Johan sagt, sehr positiv und motivierend, denn sie wurde mit einer Leichtigkeit geschaffen, wie sie ihnen vorher noch nie möglich war.

Letztendlich gibt es auch ein wichtiges Detail, wie der fertige Sound entstanden ist. Anders als früher heben Mew auf ‚Visuals‘ mehr Samples eingesetzt.
„Wir haben Unmengen alter Filme und Zeichentrickfilme durchgeackert, um den Sound zu finden, der uns brauchbar erschien,“ sagt Johan. „Es sind keine bestimmten Titel oder Songs, sondern mehr die Tonfolgen einiger alter, angestaubter Streicherstücke – die wir gesampelt und daraus unsere eigenen Melodien erschaffen haben. Anstatt auf dem Keyboard einen passenden Klang zu finden, haben wir den Filmton verwendet, der damals entstanden ist, als die Welt noch besser war – darin waren auch Portishead verdammt gut“, schließt Bassist Johan Wohlert.

„Visuals“ erscheint am 28. April.

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