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Sanfte Klänge in der Chemotherapie

Kann Musik Krebs heilen?

Kann Musik Krebs heilen? Nein, aber sie könnte wahrscheinlich eine signifikante Rolle in der Behandlung spielen. Margrethe Langer Bro untersucht in einem Forschungsprojekt, welche Effekte der Einsatz von Klängen während einer Chemotherapie auf die Patienten hat.

Es ist keine ganz neue Erkenntnis, dass Musik sich positiv auf den Gemütszustand auswirken kann. Die Stimmung, in der man sich selbst die passende Musik aussucht, ist wohl entscheidend. Aber Musik hat sich auch zur Linderung von posttraumatischem Stress als äußerst wirksam erwiesen. Neuere finnische Studien belegen, dass Musik bei der Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten erfolgreicher eingesetzt werden kann, als vergleichsweise bei Demenzerkrankungen. Schon in den 50er Jahren begann man, die beruhigende Wirkung von Musik bei Zahnarztbesuchen zu nutzen. Heute forschen Wissenschaftler in sechs dänischen Krankenhäusern an Einsatzmöglichkeiten von Musik während der sehr belastenden Chemotherapie für Krebspatienten.

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Die Pianistin Margrethe Langer Bro leitet ein Forschungsprojekt, in dem es darum geht, ob Musik die Nebenwirkungen der Chemotherapie effektiv lindern kann. Ein Vorgänger-Projekt trug den Titel "Live-Musik für Krebspatienten" und es stellte sich heraus, dass die Musik den Patienten allgemein gut tat. Dieses Projekt war Anlass für eine genauere wissenschaftliche Untersuchung.

-- Die bisherigen Versuche waren schon recht ermutigend und zeigten, dass Musik etwas bewirken kann. Aber mit dem aktuellen Projekt gehen wir in die reguläre Forschung und versuchen den wissenschaftlichen Nachweis zu erbringen, erklärt Margrethe Langer Bro. Die Projektteilnehmer wurden in drei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe hört während der Behandlung Live-Musik. Die Musik und die Musiker werden aus einem Fragebogen ausgewählt, in dem der Patient seinen Musikgeschmack beschrieben hat. Die zweite Gruppe hört Musik auf Geräten über Kopfhörer, während die letzte Gruppe während der Behandlung keine Musik hört.

 

Was für Patienten nehmen teil?

Um die Ergebnisse tatsächlich vergleichbar zu halten, haben wir eine bestimmte Patientengruppe ausgewählt: und zwar erwachsene Patienten mit Lymphomen, die zum ersten Mal eine ambulante Chemotherapie machen, erklärt Margrethe Langer Bro. Es ist ihr wichtig darauf hinzuweisen, dass es für ein abschließendes Fazit noch zu früh ist, denn die Untersuchung soll noch ein Jahr weitergehen. Sobald Ergebnisse vorliegen, werden wir sicher darüber berichten.

 

Wie waren die Reaktionen der Probanden?

Im Allgemeinen positiv. Es gab viele, die gern an der Studie teilnehmen wollten. Leider stehen Patienten nach der Diagnose manchmal zu sehr unter Schock, um sie in das Projekt aufzunehmen. Das bedeutet natürlich, dass wir nur jene Patienten dabei haben, denen es vorab nicht ganz so schlecht ging. Das halte ich für problematisch, weil wir keine Erkenntnisse über die am schlimmsten betroffenen Patienten bekommen. Aber es gibt nun mal festgelegte Regularien für diese Art von Forschung.

 

Langsame Musik erzeugt weniger Stress

Die Musik für die Studie ist auf den einzelnen Patienten zugeschnitten, mehrere Patienten können aber auch dieselbe Musik auf ihrer Station hören, wenn sie die gleichen Vorlieben haben. Es gibt jedoch bestimmte Dinge, die Margrethe bei der Zusammenstellung des Musikprogramms für die Patienten berücksichtigen muss:

Man muss das Tempo beachten und es sollte eine klare Melodik in der gespielten Musik erkennbar sein. Unter anderem messen wir die Stresshormone der Patienten, sie haben einen großen Einfluss auf Tempo und Tonhöhe. Wenn das Tempo zu hoch ist, steigt der Stresspegel an. Dann hat die Musik leider keinen beruhigenden Einfluss und die Angst vor der Behandlung bleibt unverändert.

 

Was ist mit Patienten, die z.B. Heavy Metal-Fans sind? Können sie dann nicht am Projekt teilnehmen? 

Doch, natürlich. Wir wählen dann nur ein paar langsame Metal-Nummern aus. Da gibt es keine Probleme.

Welche Instrumente spielen die Musiker für die Patienten? Es ist doch bestimmt schwierig, einen Flügel auf einer Krankenstation unterzubringen …

Tatsächlich haben wir einige kleine Klaviere in manchen Krankenhäusern, da können die Patienten direkt zuhören. Ansonsten wird viel Gitarrenmusik, Kontrabass und Gesang dargeboten. Es gibt auch einige Folk- und Jazzmusiker unter den Projektkünstlern, so dass wir eine breite Palette von Genres anbieten und den unterschiedlichsten Publikumsgeschmack treffen können, sagt Margrethe. Die meisten Musiker, die an dem Projekt teilnehmen, hat sie selbst ausgebildet.

 

Musik hält einen am Leben

Die Musik könnte sich als ein wichtiges Mittel erweisen, um Ängste vor der Behandlung abzubauen. Und die Musik kann den Patienten helfen, an jenem Leben festzuhalten, das vor dem Ausbruch der Krankheit für sie noch Normalität war.

Innerhalb der ersten fünf Jahre nach der Diagnose erkrankt ein großer Teil der Patienten zusätzlich an einer Depression. Mit der Musiktherapie kann es gelingen, diesen Patienten Hoffnung zu geben und sie fester in ihrem Leben von vor der Krankheit zu verankern. Klar ist, dass Musik Menschen nicht heilen kann, aber sie kann helfen, mit derart drastischen Eingriffen in die körperliche Unversehrtheit zurechtzukommen.

Kann es auch sein, dass die Patienten später die Musik, die sie während der Behandlung gehört haben, mit den Beschwerden der Chemotherapie und der Krankheit verbinden?

Wir befragen die Patienten auch dazu in einem Nachgespräch. Es gibt da sehr verschiedene Ansichten – einigen hängt die belastende Situation noch sehr nach, aber die meisten Menschen verbinden die Therapie mit etwas Positivem. Und die meisten freuen sich über die zusätzliche Behandlung mit Musik.

Könnte ihre Studie daraufhin wirken, dass Musiktherapie zukünftig regulärer Teil einer Krebsbehandlung wird?

Wir hoffen es. Ich fände es sehr begrüßenswert, dass Musiker in den Krankenhäusern fest angestellt werden. Wenn Sie Patienten so positiv durch ihre schwere Behandlung begleiten, dann ist das eine günstige Investition - und zumindest gibt es keine Nebenwirkungen ", schließt Margrethe Langer Bro.

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HiFi Klubben: Unser Mitwirken

Die Anlagen und Kopfhörer für die Musiktherapie der Patientengruppe durften von HiFi Klubben zur Verfügung gestellt werden. Denn diese Menschen haben zu dem Programm, das Margrethe Langer Bro speziell für sie zusammengestellt hat, das beste Hörerlebnis verdient.