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Doping für die Ohren

Wer sich zusätzliche Energie bei sportlichen Aktivitäten wünscht, darf sich freuen: nach neuesten Untersuchungen kann man seine eigene Leistung um bis zu 20 Prozent steigern - und zwar allein durch Musik! Vorbild hierbei sind erfolgreiche Leistungssportler, die ihr Training systematisch mit der richtigen Musik optimieren.

“Dont stop me now”, sang Freddie Mercury. Solche Songs helfen, länger fit zu bleiben und nicht so schnell aufzugeben, selbst wenn der Körper bereits auf Ruhe schalten möchte. Wissenschaftler können inzwischen belegen, dass die Kondition sich wesentlich verbessert, wenn Übungen von Musik begleitet werden. Man kann also behaupten, dass Musik eine legale und gesunde Form des Dopings ist, die im Training zusätzliche Energie freisetzt.

Einige der weltbesten Athleten wie Paula Radcliffe und Haile Gebrselassie nutzen in ihren Workouts spezielle Musik, um Höchstleistungen aus sich herauszuholen. Der mehrfache Goldmedaillengewinner James Cracknell war ein Spitzenruderer, aber auch in anderen Disziplinen (wie z.B. Triathlon) erfolgreich. Seiner Erfahrung nach profitierte er bei alldem am meisten vom Red Hot Chili Peppers Album "Blood Sugar Sex Magik".

 

Es ist sicher keine Pseudowissenschaft, wenn jemand behauptet, dass Musik gut fürs Training ist.

 

Vorreiter in der Forschung ist der Sportpsychologe Costas Karageorghis von der Brunel University in London. Seine Studien weisen nach, dass der Trainingseffekt sich beim Einsatz von Musik um bis zu 20 Prozent steigert und die Schmerzempfindlichkeit gleichzeitig um bis zu 10 Prozent sinkt.

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Musik erzeugt Teamgeist

Karageorghis nennt drei Hauptpunkte als Indikator für die Dopingwirkung von Musik: erstens kann Musik von subjektivem Ermüdungsgefühl ablenken und trotz Erschöpfung zum Weitermachen motivieren.

Zweitens unterstützen rhythmische Klänge seit unserer Kindheit ganz natürlich motorische und physische Skills.

Und drittens scheint Musik einen großen Einfluss auf die Stimmung des Sportlers zu haben. So kann Musik dazu genutzt werden, in den entsprechenden Situationen zu motivieren, zu stimulieren oder auch den Stresspegel zu senken.

Dr. Karageorghis beschreibt, wie Musik ein neues Körpergefühl erzeugt, das auch beim Training genutzt werden kann.

Nicht nur bei Verliebten können Lieder starke Gefühle wecken, auch beim Sport werden durch Lieder Emotionen kanalisiert: läuft eine Fußballmannschaft zu ihrer eigenen Hymne ins Stadion, verbinden sich damit  inspirierende Affekte wie Teamgeist, Stolz und Aufregung.

 

Intensity Rock Pop Soul / R'n'B Classical
55% The Best
Tina Turner
Lifted
Lighthouse Family
Back To Life
Soul II Soul
Spring from "The Four Seasons"
Vivaldi
65% Keep on Running
The Spencer Davis Group
Don't Stop Til You Get Enough
Michael Jackson
I Will Survive
Gloria Gaynor
Radetzky March
Johann Strauss
75% Born To Be Wild
Steppenwold
Movin' Too Fast - Artiful
Dodger & Romina Johnson
I Feel Good
James Brown
Troika
Prokofiev
85% The Heat Is On
Glenn Frey
Reach
S Club 7
Everybody Needs Somebody to Love
The Blues Brothers
William Tell Overture
Rossini

Schmerzstillende Wirkung

Das beste Konditionstraining basiert allerdings nicht gerade auf ausschließlich Wohlfühlsongs. Dr. Karageorghis betont, wie effektiv die richtige Tempowahl ist, also wie viele Beats pro Minute den Puls optimal synchronisieren. Daher sollte jeder seine persönliche Wiedergabeliste erstellen, die präzise den individuellen Erfordernissen entspricht.

Peter Vuust studierte Musik und promovierte in Neurowissenschaften. Er forscht über die Aktivierung des Gehirns unter dem Einfluss von musikalischen Reizen. Auch für ihn spielt Musik im sportlichen Training eine große Rolle und er gibt Costas Karageorghis in vielen Punkten recht:

„Hauptsächlich zwei Faktoren sind es, durch die Musik das Training beeinflusst. Sofern der Rhythmus perfekt abgestimmt ist, können Radfahrer oder Läufer ihr optimales Tempo finden und halten.

Der zweite und wichtigere Aspekt ist allerdings schlicht das Gefühl, das die Musik uns vermittelt“, erklärt er. Deshalb muss die Musikauswahl wirklich sehr genau auf die Persönlichkeit des Athleten zugeschnitten sein.

„Musik ist super subjektiv. Natürlich mögen wir nicht alle das Gleiche, und deshalb reagieren wir emotional auch auf Musik. Wenn du Musik verwendest, um deine Leistung zu optimieren, ist es sehr wichtig, dass du Sachen hörst, die dir auch wirklich gefallen. Musik, die man liebt, erzeugt Begeisterung und setzt Neurotransmitter im Gehirn frei, wie Adrenalin, Dopamin und Endorphine. Diese erlauben uns, den Körper im Höchstmaß zu fordern, weil sie schmerzlindernd wirken.“

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Moll macht dumm?

Musik, die wir mögen, kann uns einen zusätzlichen Schub geben, aber Peter Vuust empfiehlt Sportlern weitere Auswahlkriterien. Er hält es z.B. für optimal, vor, während und nach dem Training drei verschiedene Arten von Musik zu hören.

„Während des Aufwärmens benutzt du normalerweise eine mitreißende Musik, die dich dazu bringt, schnell aktiv zu werden. Während der eigentlichen Übung sollte man etwas verwenden, das einen kontinuierlichen Beat hat, damit man zu einem ausdauernden Rhythmus findet. Nach dem Training sollte ruhigere Musik zum Einsatz kommen, die dem normalen Ruhepuls entgegenkommt.“

Er betont, wie wichtig die präzise Musikauswahl auch deshalb ist, weil andernfalls negative Wirkungen zum Tragen kommen. Als Beispiel nennt er Experimente, bei denen während eines IQ-Tests sehr langsame Musik in Moll gespielt wurde. Keiner der Teilnehmer war dabei in der Lage, seinen bereits nachgewiesenen Punktestand zu erreichen. Dieses Phänomen lässt sich sicherlich auf den Sport übertragen.

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Der Extra-Kick

Morten Endsig Barasinski ist seit vielen Jahren als Spinning-Trainer tätig, daneben arbeitet er als Musik- und Sportlehrer. In seiner Freizeit steht er als DJ auf der Bühne und schätzt die Kombination aus Musik und Training auch für sich persönlich.

„Ich benutze die Musik sehr aktiv - sowohl wenn ich selbst trainiere als auch wenn ich unterrichte, und es ist ziemlich klar, dass Musik zusätzliche Motivation gibt. Wenn Leute bei der Spinning-Einheit nachlassen, kann ich ihnen mit bestimmten Songs den zusätzlichen Kick geben. So kommen die Leute zu einer überraschenden Trainingsbilanz und Leistung, die sie von sich selbst gar nicht erwartet hätten. Oft sagen sie nach der Stunde: Hör doch mal auf rumzuschreien, leg einfach nur dieses eine Lied auf und dann mache ich auch weiter mit!“

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Komplizierte Rhythmen ziehen nicht

Ähnlich setzt Morten Endsig Barasinski die Musik im eigenen Training ein und ist dabei vor allem auf den Rhythmus fokussiert:

„Wenn ich eine längere Radtour mache - 80 Meilen oder mehr, kann ich die Beats wirklich fühlen. Die Musik hilft mir, eine gute Dynamik auf meinem Fahrrad zu halten, also dass ich nicht zu schnell oder zu langsam fahre. Auf den längeren Strecken drehe ich die Beats tatsächlich eher mal runter, damit ich in der optimalen Atmung bleibe. Auf einer solchen Route macht Musik einen großen Unterschied.“

Obwohl Morten Endsig Barasinski sich stark auf den Rhythmus der Musik konzentriert, erkennt er auch an, dass Musik auf der emotionalen Ebene eine wichtige Rolle spielt und dass sie Menschen dazu bringen kann, sich körperlich ganz auszuleben:

"Wenn ich eine Playlist zusammenstelle, denke ich immer, dass es einen klaren Beat geben sollte, dem man folgen kann, aber heute wird nicht viel Musik gemacht, die gut zum Sport passt. Bei den Liedern der Band Nephew zum Beispiel ist es schwierig dem Rhythmus zu folgen. Das kann nur für Leute klappen, die diese Songs sehr gut kennen."

Musik ist gesundes Doping. Es ist so ähnlich wie bei einem Heimspiel mit einem riesigen Publikum im Rücken – und zwar jedes Mal, wenn Sie trainieren. Ist doch klar, dass das hilft, alle Arten sportlicher Leistung zu fördern

Weltrekord und Heimvorteil

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Im Spitzensport wurde der Einsatz von Trainingsmusik so professionalisiert, dass er inzwischen als Doping gilt. Vor ein paar Jahren versuchte Haile Gebrselassie, den Weltrekord von 3.000 Metern zu brechen. Vor dem Rekordversuch errichtete man riesige Lautsprecher im Stadion, die für ihn ausgewählte Musik lautstark wiedergaben und erst den neuen Weltrekord ermöglichten.

Weil dabei klar wurde, wie groß der pushende Effekt sein kann, wurden solche Versuchsaufbauten von offizieller Seite für unlauter erklärt und eingeschränkt. Der Weltrekord wurde jedoch nicht aberkannt. Peter Vuust erklärt, warum Musik tatsächlich als Doping angesehen werden kann:

"Musik ist gesundes Doping. Es ist so ähnlich wie bei einem Heimspiel mit einem riesigen Publikum im Rücken – und zwar jedes Mal, wenn Sie trainieren. Ist doch klar, dass das hilft, alle Arten sportlicher Leistung zu fördern", schließt er.

Forschungen, die über die Verbindung zwischen Musik und Sport angestellt wurden, besagen einheitlich, dass Musik zusätzliche Energie freisetzt. Es gibt keine negativen Nebenwirkungen, wenn Kopfhörer in die Ohren gesteckt und mit Amplituden versorgt werden. Drehen Sie einfach die Lautstärke auf, wenn Sie das nächste Mal ins Gym gehen. Musik ist das gesündeste Doping.