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Zusammen Musik hören überbrückt Grenzen

Es schafft viel gegenseitiges Verständnis innerhalb einer Familie, zusammen Musik zu hören. So jedenfalls behauptet es der Journalist und Dozent Mikkel Falk Møller. Laut seiner Erfahrung kann Musik die Grenzen zwischen den Generationen überbrücken und Beziehungen schaffen, in denen sich Menschen viel näher miteinander verbunden fühlen.

Er hat Bob Dylan in Brüssel und Bruce Springsteen in Paris zusammen mit seinem Vater gesehen. Er hat die Rolling Stones in Berlin und Stockholm mit seiner Mutter gesehen. Und andere mehr … Die gemeinsamen musikalischen Erlebnisse mit seinen Eltern ziehen sich konsequent durch das Leben des 42-jährigen Mikkel Falk Møller.

"Wir haben nie zusammen Sport gemacht oder sind Angeln gegangen. Es ist tatsächlich die Musik, die uns verbindet", sagt er.

"Einige der lustigsten Erinnerungen, die ich mit meinen Eltern teile, haben mit diesen Konzertreisen zu tun."

Wir sehen beide in der Musik ein gemeinsames Erbe, das uns aber niemals aufgezwungen wurde
- Mikkel Falk Møller

Angefangen hat alles, als Mikkel Falk Møller die Vinylplatten der Eltern entdeckte. Er begann, sich für all die großen Namen ihrer Jugend zu interessieren. Alben von The Doors und Rolling Stones wurden zum Soundtrack auch seiner Jugend – und er bekam seinen ersten Kuss zu einem Lied von Bob Dylan.

Während dieser Zeit lebte die Familie in Brüssel. Als Dylan 1991 ein Konzert ankündigte, überredete der 14-jährige Mikkel Falk Møller nicht nur seinen Bruder und seine Freunde, sondern auch seinen Vater und seine Mutter, mitzukommen. An einem Junitag des folgenden Jahres gab es den nächsten Familienausflug mit Papas neuem Citroën nach Paris, wo Bruce Springsteen auftrat. So wurde eine neue Tradition begründet. Wenn die Familie zusammen auf Reisen ist, geht ihnen der Gesprächsstoff niemals aus: sie reden über 'Blonde on Blonde' oder 'The River' und natürlich über all die mit den Songs verbundenen Gefühle und Erinnerungen.

"Durch die Musik erfuhr ich Geschichten über meine Eltern, die sie sicher nicht von selbst beim Abendessen oder bei Familienfeiern erzählt hätten. Zum Beispiel einige Details aus ihrer Jugend, von denen ich nichts wusste."

Mikkel Falk Møller ist fest davon überzeugt, dass die Touren und Musik-Gespräche seine Beziehung zu den Eltern sehr vertieft haben.

"Wir konnten diese Begeisterung teilen, das bedeutete mehr als mir bewusst war. Es ist wohl so, dass dabei die Altersgrenzen keine Rolle spielten und wir uns gegenseitig besser verstehen lernten. Wir sind offener miteinander geworden und uns viel näher gekommen. Es gibt keine Tabus in meiner Familie. Bei Freunden erlebe ich das oft anders, da wird doch vieles unter den Teppich gekehrt", sagt er.

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Mama obenauf

Auf den Rolling Stones-Gigs mit seiner Mutter hat er immer wieder erlebt, dass sie sich beide wie die Teenager benahmen. Beim Konzert 1998 nahm er seine Mutter auf die Schultern, so dass sie Mick Jagger High-Five geben konnte. Ähnlich in Stockholm 2014, wo sie zufällig Charlie Watts begegneten, als der gerade aus seinem Hotel kam. Mikkel Falk Møllers Mutter sprach den Schlagzeuger an und der gab ihr tatsächlich die Hand, weil sie seit über 50 Jahren ihr treuester Fan ist.

"Charlie Watts klang absolut ehrlich, als er sagte: ‚Ich freue mich das zu hören’."

Etwas wilder war die allererste Reise: 1995 mit dem Auto nach Berlin. Das war schon, wie Mikkel Falk Møller selbst sagt, "ziemlich chaotisch".

"Berlin war damals ziemlich wüst und voller besetzter Häuser. Wir hatten weder Hotelzimmer noch Konzertkarten, aber das haben wir irgendwie geregelt gekriegt. Nach dem Konzert waren wir noch völlig aufgeputscht und gingen in eine Bar. Da unterhielten wir uns mit einer deutschen Oma, die neben uns saß und sich einen Joint drehte. Sie fragte, ob wir mitrauchen wollten. Wir haben uns bedankt. Meine Mutter hat nie mehr geraucht, seit sie 1973 in der Vejlby Risskov Hall die Rolling Stones gesehen hatte. Wir saßen einfach dort und waren glücklich miteinander."

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Zukunftsmusik

Die Familientradition wird fortgeführt von Mikkel Falk Møllers 21 Jahre jüngerer Schwester. In ihrem Kinderzimmer hingen schon die Dylan-Poster. Als die Rolling Stones 2013 im Londoner Hyde Park auftraten, war sie natürlich auch dabei: eine 16-jährige, Schulter an Schulter mit ihrem damals 37-jährigen großen Bruder und dem 64-jährigen Vater.

"Obwohl meine Schwester und ich der gleiche Zweig des Stammbaums sind, gehören wir doch verschiedenen Altersgruppen an. Es hat richtig Spaß gemacht, dort mit drei Generationen in einer Reihe zu stehen und das Konzert zu genießen. Wir sehen beide in der Musik ein gemeinsames Erbe, das uns aber niemals aufgezwungen wurde."

Møller hat selbst einen dreijährigen Sohn. Und weil er bei seiner täglichen Arbeit als Journalist und Dozent viel mit Musik zu tun hat, gehört Musikgeschichte selbstverständlich zur Erziehung des Jungen. 

Wir haben nie zusammen Sport gemacht oder sind Angeln gegangen. Es ist tatsächlich die Musik, die uns verbindet
- Mikkel Falk Møller

"Ich hoffe sehr, meinem Sohn das mitgeben zu können, was mir meine Eltern vermittelt haben. Denn das ist von unschätzbarem Wert. Ein Problem könnte sein, dass ich mit dem Kleinen nicht mehr auf Dylan- oder Stones-Konzerte gehen kann. Er wird sie nicht mehr live erleben ... Wir müssen also etwas anderes finden. Zum Glück gibt es noch Nick Cave und Blur."

Einige der Alben, die alle Generationen begeisterten.

The Beatles - Revolver

Nick Cave - The Boatmans Call

Johnny Cash - At Folsom Prison

Bob Dylan - Highway 61 Revisited

The Rolling Stones - Sticky Fingers